Wow! Es ist also tatsächlich geschehen!

Endlich war der ersehnte und mit Nervosität erwartete Tag da. Glücklicherweise war ich am Freitag noch ziemlich beschäftigt mit Vorbereitungen, so hatten die Gedanken wenig Platz für Hirngespinste. Am Samstag klingelte der Wecker früh, schliesslich wollten wir noch Bruno Beck und seine Truppe der Wagenbaugruppe «(S)uf und gmüetlich» mit einem Apéro besuchen. Auch diese coole Mannschaft investiert immer wieder viel Zeit, um ihren Wagen umzugestalten und bunte Kostüme zu kreieren. Morgens um kurz nach 11 Uhr sassen wir also im gemütlich eingerichteten Gefährt und genossen während interessanten Gesprächen leckere Häppchen, Chips, Moscato oder ein kühles Bierchen. Denn schon bald war die Temperatur im kuscheligen Hüttchen durch unser Gelächter wegen der witzigen Anekdoten so richtig aufgeheizt, trotz der kühlen Aussentemperaturen.

Dann hiess es aber ab nach Hause und in die Wohnung – so lautete nämlich die Anweisung einer aktiven Gruppe aus der Nachbarschaft an der Hasenbergstrasse. Denn die liessen es sich nicht nehmen, gemäss Anleitung von Ehrensteinmueter Jeannette I. (die leider selber nicht anwesend sein konnte, aber vorab alles Nötige organisiert hatte), den Eingang der Nr. 38 zu dekorieren. Mit Strohballen, USA-Flaggen, Wagenrad, beleuchtetem Steampunk Schädel und Zahnrädchen wurde aus einem einem gewöhnlichen Haus die Lodge unserer wilden dampfenden «Wild Wild Steampunk» Gruppe. Im so entstandenen Saloon spendierten wir unserer Hofmusik Steischränzer, der Ehrengarde sowie den Nachbarn gerne einen reichhaltigen Apéro, um anschliessend gestärkt und unter kakaphonischen Klängen den Gang ins Dorf anzutreten. Bereits bei den ersten Tönen der Schränzer und beim Anblick des «neuen» Hauseingangs blieb mir fast der Atem weg. Denn schlagartig wurde mir bewusst: jetzt geht es also tatsächlich endlich los. Das Steamteam war zurecht gemacht, die Kostüme und die bunten Gesichter ins beste Licht gerückt. Wir waren so was von bereit für den grossen Abend. Wenn nur die Nervosität nicht wäre …

Am Kreisel im Dorfzentrum hatten sich bereits viele Menschen versammelt und auch die beiden weiteren Guggen, die Straccer und Guggalla, standen bereit. Unter der Moderation von Roland Lacher, dem Präsidenten der Fasnachtsgesellschaft Steinhausen, ging der erste feierliche Akt über die Bühne (ähhhm … über den Chreisel). Zuerst zeigte unsere wilde Truppe, dass wir auch auf dem leicht abschüssigen Chreisel wunderbar tanzen können und sich der Guggen-Sound auch für Linedance super eignet. Dann waren die ab- und antretende Steimueter gefordert: Carina pumpte mit viel Power wacker Wasser, während ich den in alle vier Himmelsrichtungen schauenden Grind taufen durfte. Die Versuchung war gross, nicht nur das fantasievolle Gebilde auf dem Chreisel nass zu machen, sondern auch die Gäste drum herum etwas mit dem kühlen Nass zu beglücken. Nur die etwas frostigen Temperaturen hielten mich dann doch davon ab 🙂

Und dann – endlich – bewegte sich die ganze Besucherschar in Richtung Gemeindesaal. Ich war schon so gespannt was mich dort erwartet, dass ich gefühlt die paar Meter runter zum Dreiklang geflogen bin. Das erste Highlight wurde mir bereits vor dem Eingang geboten. Dort stand der diesjährige Steigrind (der dann am Fasi-Dienstag wieder verbrannt wird, snif …) in voller Pracht und hiess mich mit keckem Augenaufschlag, knallrotem Kussmund und einem gewaltigen Hut willkommen. Zwar hatte ich ein paar Schritte der Entstehung im Vorfeld bereits gesehen, aber beim fertigen Grind blieb mir dann doch die Spucke weg. Die Lady wurde von unserer Gruppe sofort mit einem Appenzeller auf den Namen «Lady Nicoletta» getauft und sie hat diesen Namen völlig verdient.

Im Gemeindesaal angekommen war ich schliesslich komplett überwältigt! Der Saal erstrahlte dank viel Liebe und Fantasie wie ein Saloon mit Steampunk-Touch. Das OK der Fasnachtsgesellschaft und viele fleissige Hände hatten ganze Arbeit geleistet. Worte können gar nicht ausdrücken, was mir in diesem Moment durch den Kopf ging. Und all die Menschen, die hier bereits sassen, Wahnsinn! Nebst vielen Fasnachtsbegeisterten erwarteten mich hier auch zahlreiche Vertreter diverser Fasnachtsgruppierungen, alle Steinhauser Guggen, Ehrensteimütter und -väter, Besucher aus Zug und Walchwil, meine Klasse der Skippy Dancers und viele weitere Freunde. Ganz besonders freute es mich, dass auch meine Eltern (die noch nie verstanden haben, wo ich mir denn nur diesen Fasnachtsvirus eingefangen habe) und meine Schwester mit ihrem Partner zusammen mit mir feierten. Was für ein Publikum! Das musste ja einfach ein genialer Abend werden. Das fleissige Service-Team versorgte uns sogleich mit Getränken und nach den ersten Begrüssungsworten durch Roland Lacher wurde auch schon das leckere Menü serviert. Meine treuen Gspändli nötigten mich fast, etwas zu essen, denn noch immer hatte meine Nervosität die Überhand und das Essen hatte nebst der unbändigen Vorfreude kaum Platz in meinem Magen. Aber sie hatten ja völlig recht, ohne festen Boden hätte ich wohl den Abend nicht überstanden und den Saal am Schluss schwankend verlassen. Aber dank der Fürsorge meiner Leute ging alles gut und ich genoss das von Andreas Trüssel und seinem Team gekochte Essen.

Nun war es an Carina I. und ihrem Gefolge, zum Abschluss ihrer Amtszeit nochmals die Bühne zu entern und sich würdevoll zu verabschieden. Sie übergab die «Symbole der Macht» kurzzeitig wieder in die Hände der Fasnachtsgesellschaft, bedankte sich für die rüüdige Zeit und verliess dann unter den Klängen der Guggalla wieder das Rampenlicht.

Mein Puls stieg fast ins unermessliche aus lauter Vorfreude, einem Schwarm von Schmetterlingen, die im Bauch tobten und dem Bewusstsein, dass nun ein Traum zur Realität wird. Was folgte, war für mich ein Bad der Emotionen. Andreas I. Trüssel übernahm als Zeremonius und es begann eine Zeit, in der mein Herz vor lauter wunderbarer Momenten kaum mehr zur Ruhe kam. Zuerst wurde ich feierlich inthronisiert durch Christina I. und Martina, welche mich somit offiziell als Steimueter Nicole I. ins Amt hoben. Danach begann ein bunter Reigen an Huldigungen, als wäre ich auf einer emotionalen Achterbahn unterwegs.

Noch vor drei Wochen durften wir ihm huldigen, nun überraschte mit Lebuz Prinz André I. und ganz viele liebe Lebuz-Vertreter mit ihren Glückwünschen. Bereits am Chreisel traute ich fast meinen Augen nicht, als ich von weitem die markanten weissen Kapitänsmützen der beiden Hudiväter Rölä und Roger erblickte, die mit ihren Hudimüttern den Seeweg nach Steinhausen angetreten und mir somit eine weitere riesige Überraschung geboten haben. Die kleinen Geister und grossen Geisterjäger der Spass-Lüte gaben mir Gewissheit, dass ich in der närrischen Zeit keine Geister zu befürchten habe und eine Delegation der reformierten Kirche überbrachte mir mit ihren Wünschen auch das sichere Gefühl, dass mich eine gesegnete Fasnachtszeit erwartet. Als ich dann noch von meinen Skippy-Schülerinnen gekidnappt und gefesselt wurde, habe ich mich ein wenig «erschrocken», aber ich durfte mich ja wieder freitanzen – ein wenig Bewegung zum Dampfablassen hat mir ob dieser Flut emotionaler Momente gerade gut getan.

Die Zeit flog förmlich dahin – aber nicht nur mir wurde gratuliert: tapfer beglückwünschten alle Gäste auf der Bühne auch mein gesamtes Steamteam und durften somit ein paar Hände mehr schütteln und ein paar Küsschen mehr verteilen, als sonst vielleicht gewohnt. Immerhin standen (fast) alle 18 Steamler tapfer hinter mir und schätzten die Huldigungen sicher genauso sehr wie ich. Als dann auch noch das Steamteam gratulierte und mir noch einmal vor einem ganzen Saal voller Zeugen versicherte, dass sie auch im grössten Konfettisturm mit mir auf einer Linie tanzen werden, übermannten mich die Glücksgefühle und die Dankbarkeit erneut. Denn ohne alle diese wunderbaren Freunde und meine geniale Familie wäre diese ganze Geschichte ja gar nicht erst zustande gekommen. Ich darf auf ein starkes Team mit viel Energie und Elan zählen, dass mich in jedem Moment trägt und unterstützt. Und gemeinsam durften wir richtig Fasnachtsstimmung verbreiten und unseren Idealismus ausleben. Zusammen mit den vielen Liebhabern der verrückten
5. Jahreszeit aus Steinhausen und dem ganze Kanton hat das umso mehr Spass gemacht.

Ein grosses Dankeschön geht auch an die Guggalla und die Straccer – danke für Euren musikalischen Beitrag, Eure Glückwünsche und Geschenke. Und ein besonderes Lob geht an meine Hofmusik, die Steischränzer ! Wie wunderbar, dass ihr Euch sogar optisch mir und meinem Steamteam angepasst habt und nicht nur als Mutanten Stadl Steischränzer-Vertreter sondern auch als turtelig-wilde Steampunker an meiner Inthronisation aufgespielt habt. Ich freue mich extrem auf die Zeit mit Euch – und natürlich auch auf die Begegnungen mit den anderen beiden Guggen ! Ihr seid fantastisch.

Schliesslich war der offizielle Teil vorbei, aber die Party ging natürlich wacker feuchtfröhlich weiter. Es wurde getanzt, ob in Linien oder einfach so wie es gerade passte, war völlig egal. DJ Friedli untermalte den Abend mit Sound aus allen Stilrichtungen und bot so Boden für einen stimmungsvollen Ausklang eines bewegten Abends.

Es bleibt mir an dieser Stelle nur noch eines zu sagen: herzlichen DANK an alle, die in irgendeiner Form zu diesem genialen Anlass beigetragen haben. Sicher darf ich hier auch im Namen meiner Crew sagen, dass wir die Entscheidung nicht bereuen, diesen Schritt gewagt und uns für das grosse Amt beworben zu haben. Und ich schreibe hier absichtlich WIR, denn im Grunde genommen wurden gestern wir alle gewählt und inthronisiert, denn ohne euch würde es nicht funktionieren und wäre nur halb so wild dampfig.

Eines ist aber klar geworden gestern. Wir haben enormen Bock auf mehr und können es kaum erwarten, das nächste Mal die Umwandlung von Mensch in Steampunker vorzunehmen und irgendwo einen der vielen Fasnachtsanlässe zu besuchen und abzufeiern.

 

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